Seismogramm - performative drawing

Die Arbeit »Seismogramm − performatives Zeichnen« besteht aus 63 Einzelzeichnungen. Jeder zeigt dasselbe; drei horizontale Tuschelinien auf Papier. Diese Linien wurden auf unterschiedliche Weise mit einer Zeichenfeder auf einer nassen Oberfläche gezeichnet.

Die sich ändernden Variablen waren: Blattposition, Ausführung durch einen linken oder rechten Körperteil, Körperhaltung, Position oder vorherige körperliche Aktivität und Federlänge. Wie die einzelnen Blätter entstanden sind, ist im Titel jeder einzelnen Zeichnung vermerkt. Diese beschreibt die Position des Blattes, ob ich mit rechts oder links gezeichnet habe, die Körperhaltung, Position oder körperliche Aktivität, bei der die Zeichnung entstanden ist und die Länge des Stiftes.

Die Zeichnungen dokumentieren die kleinen und großen Bewegungen meines Körpers, wobei der Stift die Rolle des Seismografen übernimmt und alles dokumentiert. Meine Herangehensweise ist wissenschaftlich orientiert, mit dem Ziel meine körperlichen Grenzen durch markante Unterbrechungen in den Linien zu erfassen. Die Ersten Zeichnungen beginnen banal, da ich zur Kontrolle mit rechter und linker Hand mit einem verlängerten Stift zeichne. Dabei werden die Positionen und Haltungen, die ich einnehme, immer komplexer und schwieriger auszuführen. Auch die Länge des Zeichenstifts nimmt enorme Ausmaße an, wenn man versucht, die Linien an der Decke zu zeichnen. Außerdem zeichne ich nicht nur mit den Händen, sondern stecke den Stift zwischen verschiedene Zehen oder benutze meinen Mund und fahre dann damit über das Papier. Zum Schluss betätige ich mich etwas körperlich und drehe mich im Kreis, bis mir schwindelig wird, bevor ich die Linien zu Papier bringe. Überraschenderweise blieben die drei Linien meist parallel zueinander und die Linien auf demselben Blatt zeigen ähnliche Kurven. Signifikante Störungen habe ich selten dokumentiert. Allerdings waren die Auffälligkeiten entgegen meiner Erwartung keine großen Schwankungen, sondern Unterbrechungen, die ich dokumentiert habe. Sie entstanden immer dann, wenn die körperliche Belastung zu groß war oder meine Beweglichkeit nicht ausreichte, um die Linien bis zum Ende des Blattes zu ziehen.

Anhand des Titels kann sich der Betrachter meine Bewegungen und Körperhaltungen vorstellen und sie im Kopf oder im realen Leben nachempfinden. Auf diese Weise wird der performative Ansatz nachvollziehbar, da dieser Teil der Arbeit nicht durch Fotos oder Filme dokumentiert wird. Allein die Zeichnungen sind die Dokumente, mit denen ich den Prozess festhalte und abbilde und sind somit ein Dokument der Entstehung sowie der künstlerischen Arbeit selbst.

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Seismogramm - performative drawing; 2019; Chinatusche & Wasser auf Papier; Atelieransicht; 5.67 m x 3.08 m